Im Landtag nachgefragt: Digitalisierung und Nachhaltigkeit?

Täglich werden auf der Welt etwa 320 Milliarden E-Mails verschickt und auf Kosten unserer Umwelt gespeichert. Eine einzige E-Mail kostet dabei allein um die 10 Gramm CO2 und zudem noch Energiekapazitäten für Server, deren Kühlung und die digitalen Endgeräte. Um die Klimaziele zu erreichen, müsste Deutschland so schnell wie möglich auf nachhaltig produzierten Strom setzen, doch benötigt das deutsche Stromnetz immer mehr Energie durch die steigende Nutzung digitaler Infrastruktur.


Zu diesem Dilemma und weiteren Digitalisierungsthemen bot sich am 11. November 2021 dem Sozialwissenschaftskurs aus der Q2 der Gesamtschule Hardt eine besondere Möglichkeit. Sie durften mit dem CDU-Politiker und Landtagsabgeordneten Jochen Klenner direkt an seinem Arbeitsplatz im Landtag in NRW ins Gespräch kommen.
Nach einem Frühstück in der Kantine und einer Einführung in den Landtag stellte sich Herr Klenner eine Stunde lang den zukunftsorientierten Fragen der baldigen Abiturienten.
Im Rahmen eines eigens initiierten Projektes hatten sich die Schüler unter Leitung von Frau Tenten zum Thema Umweltbelastung durch Digitalisierung informiert. Um diese Ergebnisse nicht nur in der Klasse zu diskutieren, suchten die Schüler nach Gesprächsmöglichkeiten mit Experten oder Politikern. Eine schnelle Antwort bekamen sie aus dem Landtag in NRW.
Herr Klenner gab bei der Konfrontation mit dem Thema zu, noch nicht wirklich ein Bewusstsein für dieses Problem entwickelt zu haben und seinen digitalen Papierkorb nur zu leeren, wenn er Speicherplatz benötige. Der CDU Politiker antwortete auf die Frage, ob digitale Kommunikation einen großen Anteil an seiner Arbeit hätte, mit einem eindeutigem „Ja“. Er selber könnte sich diesen Anteil sogar noch größer vorstellen. Allerdings betonte der Abgeordnete, dass die Datenschutzverordnungen im Landtag sehr streng seien und deshalb noch vieles analog stattfinden würde. Tatsächlich sei für ihn die Diskussion über Digitalisierungsthemen keinesfalls unbekannt, da er fast jeden Tag mit Abgeordneten oder Bürgern über diese Themen sprechen würde.
Als die Schüler der Gesamtschule Hardt Herrn Klenner vor die Frage stellten, ob die geplante, schnelle Digitalisierung Deutschlands mit ihrem Tempo potentielle Gefahren für die Umwelt aus dem Blickfeld der Politik drängen würde, konnte der CDU Politiker dies nicht bestreiten. In vielen Diskussionen zur Digitalisierung, an denen er teilnehme, spiele der Umweltaspekt eine eher untergeordnete Rolle. Viel mehr werde das Argument teilweise von Konservativen genutzt, um zum Beispiel Aktivisten von Fridays for Future zurechtzuweisen. Dabei wird versucht ihnen die Nutzung des Internets zu untersagen. Dabei stellten sowohl Herr Klenner als auch die Schülergruppe klar, dass das Internet und die dazugehörigen Geräte keinesfalls das Hauptproblem darstellen. Vor allem läge es an den einzelnen Nutzern regelmäßig ihre gespeicherten Daten zu überprüfen, alte Mails und gespeicherte Verläufe zu löschen. Es gäbe sogar automatisierte Programme, die eben diese Aufgaben übernehmen.
Den Vorschlag, größere Unternehmen staatlich zu verpflichten, ihre Daten regelmäßig zu löschen, lehnte der CDU Politiker ab. Er sah vor allem das Entwickeln eines Bewusstseins für die Umweltbelastung bei der Bevölkerung als einen nachhaltigen Lösungsweg an. Dieses Bewusstsein würde im besten Fall dann auch auf die Unternehmen überspringen. Dazu würde dann auch der Druck der EU und privater Investoren kommen, welche Kredite und Investitionen vor allem an umweltfreundliche Konzerne vergeben.
Zum Schluss war die Schülergruppe der Gesamtschule Hardt sehr dankbar für das offene Gespräch und hofft darauf, ein paar neue Impulse im Landtag zum Thema Umweltbewusstsein und Digitalisierung gesetzt zu haben. Auch aus dem Grund, weil dieser Ausflug für die Schüler einer der wenigen seit Beginn der Corona-Pandemie war.

Das Interview führte der Standpunktredakteur Jaron Riedl aus der Q2

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