Unterricht auf Englisch

GE Hardt bereitet sich gerade darauf vor, ihren zweisprachigen Unterricht ab dem kommenden Schuljahr auch in der Oberstufe anbieten zu können. Fremdsprachen im Fachunterricht ermöglichen interkulturelles Lernen, denn bilingualer Unterricht bietet Einblicke in andere Länder und Kulturen. Eine bilinguale Förderung eröffnet Schülerinnen und Schülern viele Chancen in Beruf und Studium. Mit Blick auf die Globalisierung ist die Weltsprache Englisch von großer Bedeutung. Dies hat die Gesamtschule Hardt bereits vor 26 Jahren erkannt und den bilingualen Unterrichtszweig in der Unter- und Mittelstufe aufgebaut.

Ab dem kommenden Schuljahr möchte die Gesamtschule Hardt den bilingualen Unterricht im Fach Erdkunde auch in der Oberstufe anbieten. Damit haben Schülerinnen und -schüler jetzt die Möglichkeit, ihre bilinguale Ausbildung auch in der Oberstufe fortzusetzen. Aber auch ohne „Bili“-Erfahrung können Interessierte das bilinguale Angebot als zusätzliche Qualifizierung wählen. Die Zertifizierung wird an vielen Universitäten und Unternehmen im In- und Ausland als Sprachnachweis anerkannt.

Der Englisch- und Erdkundelehrer René Amels und seine Kollegin Peggy Gennes haben gemeinsam mit der Fachschaft Englisch die Voraussetzungen geschaffen und alle Unterlagen für das aufwändige Genehmigungsverfahren erstellt..

„Good Morning Mr. Amels.“ So begrüßt die Klasse 5.4 an diesem Morgen René Amels nicht als Englischlehrer, sondern als Fachlehrer für Gesellschaftslehre im bilingualen Zweig der Gesamtschule Hardt. Hier lernen die Schülerinnen und Schüler nicht nur im Sprachunterricht Englisch, sondern auch im Fach Gesellschaftslehre, denn in beiden Fächern ist Englisch Unterrichtssprache.

René Amels teilt Arbeitsblätter aus. „I would like to ask you to discuss the advantages and disadvantages of spending your holidays in Germany. Find results with your partner.“

Wenn man ihn fragt, ob es nicht einfacher ist, Geographie in deutscher Sprache zu unterrichten antwortet er: „Weniger Arbeit in der Vorbereitung wäre es bestimmt – aber es wäre auch langweiliger.“ Das finden auch seine Schülerinnen und Schüler.

Vor 12 Jahren hat René Amels selbst das Abitur an der Gesamtschule Hardt gemacht und sich vom bilingualen Unterricht begeistern lassen. „Es ist einfach spannender, ein Thema aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten und in zwei Sprachen vertiefter bearbeiten zu können,“ antwortet René Amels auf die Frage nach seiner Motivation.

Die Methode: „If you don´t know the word, you just try to describe it.“

Nicht eine der Schülerinnen oder Schüler wirken in dieser Stunde gelangweilt oder überfordert. Alle arbeiten konzentriert mit. Während sie ihre Aufgaben bearbeiten, geht René Amels von Tisch zu Tisch, beantwortet zusätzliche Fragen und motiviert seine Schüler, zu umschreiben, wenn ihnen die Vokabeln fehlen. Es wäre sicher einfacher, dem Schüler die passenden Vokabel zu nennen, aber das macht den bilingualen Unterricht aus: „If you don´t know the word, you just try to describe it.“ Denn es geht nicht um reines Vokabelwissen, sondern um Sprachgefühl und das Experimentieren mit Sprache.

Auch im Unterricht von Peggy Gennes ist das Arbeitsklima entspannt. Ohne Scheu vor möglichen fehlenden Vokabeln oder sprachlichen Mängeln nehmen die Schülerinnen und Schüler am Unterricht teil. Die beiden Englisch- und GL-Lehrer haben im Rahmen ihres Lehramtsstudiums noch eine Zusatzqualifikation für bilinguales Unterrichten erlangt und ihr Referendariat mit einem Bili-Schwerpunkt absolviert. Jetzt haben sie in der Gesamtschule Hardt den idealen Arbeitsplatz gefunden. „Eine spannende Herausforderung und eine, die Spaß macht“: so die jungen Kollegen.

Von der Stufe 5 bis 10 werden hier die gleichen Themen und Fragen wie im „deutschen“ Erdkunde-, Geschichts- oder Politikunterricht beantwortet. Bilingualer Unterricht bedeutet interkulturelles Lernen, denn er bietet die Möglichkeit, verstärkt vergleichende Fragestellungen in den Blick zu nehmen und Sachverhalte und Ereignisse aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.

Für den bilingualen Unterricht gab es anfangs weder speziell ausgebildeten Lehrer noch die passenden Materialen. Studiengänge, Schulbücher und Arbeitsmaterialien wurden erst im Laufe der Zeit entwickelt. René Amels und Peggy Gennes haben bereits im Studium von den Fortschritten profitieren können „Mittlerweile gibt es für die Sekundarstufe I Lehrwerke für jedes Sachfach, das bilingual unterrichtet wird. Wir orientieren uns am Curriculum des jeweiligen Fachs und stellen außerdem sicher, dass die Schüler die fachspezifischen Begrifflichkeiten in beiden Sprachen kennen.“

In der Stufe 8 setzen sich laut Lehrplan die Schüler z.B. mit Themen auseinander wie: Identity and Lifestyle in a changing modern society, Principles of Economics über Future of workplaces in a changing industry-based, service-oriented and information society bis hin zu Fragestellungen ‚What’s in a democracy?’ – Securing and Developing Democracy.

Hierbei lernen die Schülerinnen und Schüler – neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Problemstellungen -, den fachbezogenen Wortschatz anzuwenden. Group work, debating, social experiments, fictitious interview, etc. sind nur einige Methoden, mit denen die Schüler im Unterricht an den Themen arbeiten.

Das Argument: „Bilingualität bereitet junge Menschen besser auf ein Leben in einer immer globaler zusammenwachsenden Welt vor.“

Im englischsprachigen Fachunterricht wird den Schülerinnen und Schülern die Chance gegeben, ihre Sprachkenntnisse praktisch anzuwenden und diese zu vertiefen. Zugute kommt den Schülern dabei insbesondere das interkulturelle Lernen. Denn durch eine vergleichende Be­schäfti­gung mit englischen und deutschen Sicht­weisen in kulturellen, politischen und geschichtlichen Themen wird das Einfühlungsvermögen, die Kritik­fähigkeit und interkulturelle Kompetenz der Lernenden gefördert.

Das zeigte schon die Sonderauswertung zur DESI-Studie (Deutsch Englisch Schülerleistungen International) im Jahr 2006: „Schüler in bilingualen Klassen haben einen sehr deutlichen Kompetenzvorsprung in allen Bereichen. Insbesondere kommen sie im Hörverständnis fast doppelt so schnell voran, wie andere Klassen.“

Gerade in der Oberstufe sieht René Amels in der Bilingualität die Chance auf eine optimale Vorbereitung auf die Studien- und Berufslaufbahn der Schüler: „Wir wollen unseren Schülerinnen und Schülern, Möglichkeiten anbieten, sich besser auf ihre berufliche Laufbahn vorzubereiten. Heute gibt es neben dem Studium auch eine ganze Menge an interessanten Arbeitsmöglichkeiten, bei denen man mit guten Englischkenntnissen punkten kann. Ob es z.B. Ausbildungsberufe bei international agierenden Firmen oder kleinere Betriebe sind, die sich auf ausländische Produkte spezialisiert haben oder im Informatikbereich im WorldWideWeb aktiv sind. Gute Englischkenntnisse sind gefragter denn je.“

Die Motivation der Schüler: „Der Unterricht ist einfach nicht so langweilig“

In der Unter- und Mittelstufe haben die Schüler im bilingualen Zweig mehr Unterrichtsstunden im Fach Gesellschaftslehre, sie müssen also mehr leisten als ihre Mitschüler in den Parallelklassen. Warum entscheiden sie sich dennoch dafür?

„Der Unterricht ist einfach nicht so langweilig, Wir verstehen alles und es macht mehr Spaß.“ Beschreibt ein Schüler der 7.4 seine Motivation.

„Viele von uns träumen doch von einem Studium oder wenigstens einem Semester im Ausland. Da muss man fit im Englischen sein“ erklärt  ein Zehntklässler aus der Biliklasse.

„Ich möchte gerne in meinem späteren Ausbildungsberuf als Reisekauffrau auch für internationale Reiseanbieter arbeiten können und in der Welt rumkommen. Da lerne ich doch jetzt viel leichter, wie ich mich auf Englisch unterhalte,“ begründet die Schülerin der 9.4  ihre Wahl.

Die Angst: „Neben Bili hat man keine Zeit für eine zweite Fremdsprache“

Junge Menschen, die neben ihrer Muttersprache noch mit einer zweiten Sprache aufgewachsen sind, können schneller und besser jede weitere Sprache lernen. Das bestätigt auch René Amels: „Viele unserer Schülerinnerinnen und Schüler wählen zusätzlich Französisch ab der Klasse 6. Davon sind einige gleichzeitig auch bilinguale Schülerinnen und Schüler.“

Wichtig ist aber zu wissen, dass auch bilinguale Klassen heterogen sind und es große Leistungsunterschiede gibt. „ Hier muss man als Lehrer Differenzierung und individuell fördern. Denn auch in einer bilingualen Klasse können die Schüler unterschiedlich gut mit Texten umgehen,“ weiß Peggy Gennes aus Erfahrung.

Das Vorurteil: „im bilingualen Unterricht wird Fachwissen vernachlässigt.“

Häufig wird kritisiert, dass das Fachwissen im bilingualen Unterricht vernachlässigt würde, weil die Sprache wichtiger ist. „Das Gegenteil ist der Fall. Weil das Verständnis im Vordergrund steht, wird Grammatik und sprachliche Korrektheit zweitrangig. Im bilingualen Unterricht gilt die Regel „message before form“ und so verlieren viele Schülerinnen und Schüler auch die Angst vor der Sprache,“ kann René Amels aus der Praxis berichten.

René Amels mit seiner Bill-Klasse 5.4

Eine seiner Schülerinnen bringt es auf den Punkt: „Wir lernen nicht nur genau so viel wie die Schüler in anderen Klassen, wir lernen eigentlich viel mehr. Durch die andere Sprache müssen wir uns viel intensiver mit dem Thema auseinandersetzen und verstehen und lernen es besser.“

Gewinner aus der Bili Klasse 7.4 und der Allrounder Klasse 7.2 mit ihren Englischlehrerinnen Christa Klinger und Verena Ziemes beim bundesweiten Englischwettbewerb „The Big Challenge“.

Auch in diesem Jahr haben die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5-9 wieder am bundesweiten Englischwettbewerb „The Big Challenge“ teilgenommen und wirklich hervorragende Ergebnisse erzielt.

In allen Klassenstufen konnten die landes- und bundesweiten Durchschnittsnoten bei weitem übertroffen werden. Besonders erfolgreich waren in allen Stufen die Schülerinnen und Schüler der Bili-Klassen. So belegte zum Beispiel Claire Cox aus der 5.4 Platz 9 in NRW und Platz 64 in Deutschland – bei 80.432 Teilnehmern ein wirklich herausragendes Ergebnis. Ebenso beachtlich ist das Ergebnis von Rejana Rosemann aus der 9.4, die Platz 36 in NRW belegen konnte (22.817 Teilnehmer).

 

 

 

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