Bilinguale Bildung an der Gesamtschule Hardt

Nachgefragt – Bilingualität an der GE Hardt

Léon Michels (Q2) hier im Gespräch mit Sean Levey (EF) über seine Sprachen- und Austauscherfahrungen an der GE Hardt.

Mehrsprachigkeit ist in Europa ein wichtiges Ziel. Für viele Schüler gehört es schon zum Alltag. Aber das muss keinen Stress bedeuten, denn zwei oder mehr Fremdsprachen lernen Schüler besser, wenn sie nicht das Gefühl haben, perfekt sein zu müssen. Gerade im bilingualen Unterricht an der Gesamtschule Hardt lernen sie, ohne Angst vor Fehlern zu reden. Allein Grammatikunterricht und Vokabellernen führen nicht zu guten Sprachkenntnissen.

 

IMG_9782Für die meisten Schüler von heute ist der Umgang mit Fremdsprachen schon selbstverständlich. In Deutschland bekommen 91 Prozent der Schüler, die kurz vor dem Abitur stehen, Fremdsprachenunterricht. Viele lernen mindestens zwei Sprachen – die erste spätestens in der 5. Klasse, oft auch schon früher. Die zweite Sprache kommt an Gymnasien oder Gesamtschulen im 6. bzw. 7. Schuljahr hinzu.

Als erste Fremdsprache dominiert Englisch, als zweite Fremdsprachen sind Latein, Französisch oder Spanisch die am meisten angewählten Varianten.

Einfach reden – ganz ohne Angst vor Fehlern

Favorisiert wird und wurde die Gesamtschule Hardt als weiterführende Schule insbesondere wegen des bilingualen und großen Sprachangebotes. Es stehen Englisch, Französich, Spanisch und Latein zur Auswahl und zusätzlich ein bilingualer Zweig im Fach Englisch (Infos zum bilingualem Bildungsgang an der GE Hardt hier). Als Europaschule bietet die Gesamtschule Hardt stufenübergreifend innovative Austauschprojekte und Exkursionen zur Vertiefung und Anwendung der Sprachen für ihre Schülerinnen und Schüler an.

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Den meisten Eltern reicht es, wenn ihre Kinder nur Englisch als Fremdsprache lernen, weil sie denken, dass jede weitere Sprache nur eine Belastung sei. Die Erfahrungen in der Praxis zeigt jedoch etwas anderes. Wer sich mit einer Fremdsprache auseinandersetzt, schafft damit auch beste Voraussetzungen für die nächste Sprache. Jede Sprache erschließt eine weitere – und das gilt auch für Sprachen, die wenig Ähnlichkeit miteinander haben – so Britta Hufeisen, Professorin am Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft der Technischen Universität Darmstadt und Expertin für Mehrsprachigkeit. Etwa wenn Kinder herausfinden, wie sie am besten lernen und diese Strategie auf andere Sprachen anwenden.

Fremdsprachen helfen Schülern beruflich und beim Lernen weiterer Sprachen

Matthias Makowski beobachtet von Berufs wegen genau, wie sich die Fremdsprachenkenntnisse der Europäer entwickeln. Er leitet die Abteilung Sprache des Goethe-Instituts, das deutsche Kultur und Sprache im Ausland fördert. „Es gibt keine Vereinigten Staaten von Europa. Dazu ist das nationale Bewusstsein in den einzelnen Ländern zu groß. Und solche kulturellen Identitäten können wir nicht aufgeben. Die Vielfalt ist wichtig für Europa. Wenn wir das akzeptieren, bedeutet das, dass wir Mehrsprachigkeit brauchen.“

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Für das Erlernen mehrerer Sprachen gibt es überzeugende berufliche Argumente. Mit Mitarbeitern, die mehrere Fremdsprachen sprechen, sind Unternehmen auch ökonomisch erfolgreicher. Optimale Kommunikation ist nur mit dem Verstehen der Sprache des Gegenüber möglich. Mit Englisch kann man sich zwar verständigen, aber Zwischentöne und Gefühle gehen dabei verloren.

Vor allem durch die praktische Anwendung in internationalen Austauschprojekten wie Erasmus+ werden die Sprachkompetenzen gefördert und entwickelt.

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Gerade die Schüler, die bilingual in Englisch unterrichtet werden, kommunizieren gelassener und freier mit ihren Austauschpartnern. Im bilingualem Sprachunterricht wird die Sprache nicht nur für den Lehrer oder eine Klassenarbeit gelernt, sondern der Fokus auf die Kommunikation und das angstfreie Reden gerichtet.

Bei den Austauschprojekten wird den Schülerinnen und Schülern klar, wie wichtig es ist, neben Englisch die Sprache des Austauschpartners zu beherrschen.

Nur Englisch ist nicht genug: Mehr als jeder dritte Schüler lernt in der Mittelstufe mindestens zwei Fremdsprachen.

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„Englisch allein reicht heute längst nicht mehr aus. Nicht in der Schule. Und nicht in vielen Berufen und Branchen. Es ist schon gut 20 Jahre her, da forderte die Europäische Kommission: Fremdsprachen zu beherrschen, das gehöre zur Allgemeinbildung und sei „ein Trumpf“ im Berufsleben. Jeder EU-Bürger müsse in mindestens zwei Sprachen neben seiner Muttersprache „kommunikationsfähig“ sein. Heute, 20 Jahre später, lernt immerhin mehr als jeder dritte deutsche Schüler in der Mittelstufe mindestens zwei Fremdsprachen.“ (welt.de)

Die Sprachen der Schwellenländer werden immer wichtiger.

Nicht nur in Deutschland, sondern auch innerhalb der EU wird Französisch nach Englisch am zweithäufigsten gelernt. Diese meist klassische Wahl hat Zukunftsperspektive. Laut einer Studie der Investmentbank Natixis ist Französisch auf dem Weg zu einer neuen Weltsprache. „Bis 2050 könnten rund 750 Millionen Menschen Französisch sprechen. Der Grund: der demografische Boom in vielen afrikanischen Staaten, in denen Französisch Schulsprache ist. Auch Karrieregründe sprechen dafür: Neben Englisch und Spanisch ist Französisch Wirtschaftssprache. Das Nachbarland ist nach den USA Deutschlands zweitwichtigster Handelspartner.“

Das Spanische belegt dem Weltsprachenlexikon „Ethnologue“ zufolge unter den Weltsprachen den zweiten Platz. Spanisch ermöglicht den Zugang zu vielen Ländern in Lateinamerika. Außerdem verändert sich auch die Bevölkerung der USA rasant. Nach der Studie „States of Change“ wird der Anteil der Hispanics, also die Spanisch sprechende Minderheit in den Vereinigten Staaten, im Jahr 2060 wahrscheinlich schon 29 Prozent betragen.

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Der Siegeszug der spanischen Sprache ist auch in der Anwahl des Unterrichts nicht nur in unserer Schule deutlich erkennbar. Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass sich die Zahl der Spanisch lernenden Schüler in Deutschland in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt hat.

Allein den Karriereaspekt sollte man beim Spracherwerb in der Schule jedoch nicht in den Vordergrund stellen – entscheidend ist auch das Interesse und der Spaß an der Sprache. Und das entwickelt sich vor allem beim freien Sprechen.

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Neben der Teilnahme an innovativen schulischen Sprachangeboten, Wettbewerben oder Austauschprojekten, sollten sich die Schülerinnen und Schüler auch im Alltag mit der Fremdsprache befassen. Ganz gleich, ob man Harry Potter oder Magazine in der fremden Sprache liest oder sich Filme im Original anschaut – auch so kann man sich mit der Sprache vertraut machen. Denn allein Grammatikunterricht und Vokabellernen führen nicht zu guten Sprachkenntnissen.

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